Manchmal könnte man meinen Gras sei das Einzige, was Hip Hop am Laufen hält, eben mach ich mich noch über Curren$y’s ewige Stoner-Lyrics lustig, nachdem ich vorher den Dramadigs beim Morgen-Joint gelauscht habe und jetzt kommt DJ Rhettmatic mit zusammen mit Frank Nitt als The Joint Chiefs mit der orignell betitelten EP “The Smoke Musik” um die Ecke. Originell oder nicht, das Ergebnis hat den alten Weed-Kopf Madlib immerhin zu der Kollabo mit Frank Nitt in der Medicine Show-Reihe  (#9: Nittyville) animiert, wenn ich dem Promo-Text glauben soll. Aufgenommen haben die beide das Tape nämlich bereits 2008. Diese Detroit-Cali-Connection die Rhettmatic sich da aufgebaut hat, liefert auch dieses mal konstantes Niveau. Nitty flowt straight und lebt mehr von seiner Attitüde als von seiner Technik. Er erzählt nicht viel neues, aber glaubwürdig z.B. vom Ende einer Beziehung oder unterhaltsame Battle- und Representer-Texte – Features kommen von M.E.D. und SERIOUS. In Rhettmatic-Kopf muss trotz Kalifornischer Sonne häufiger Winter herrschen, so konsequent gießt er den eher düsteren, rohen Detroit-Style in Instrumentals aus harten Drums, drückenden Basslines und knurrenden und kreischenden Synthesizern. Bisher sind alle Tracks beim zweiten und dritten Durchlauf immer besser geworden, was ein starkes Tape mit gewissem Reifepotential verspricht.

The Joint Chiefs (Rhettmatic x Frank Nitt) – Pack Your Sh*t

The Joint Chiefs (Rhettmatic x Frank Nitt) – Give It To Ya featuring SERIOUS

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Klassische Boombap-Instrumental-Tapes gibt es hier fast gar nicht mehr. Die oft ordentlich gemachten, aber in Monotonie ertrinkende Boom-Tschak-Kurzer-Loop-Plus-Bisschen-Vinyl-Knistern-Ästhetik geht beim ersten Hören zwar meist gut rein, aber schon im zweiten Durchlauf langweilt es mich. Das Beat-Tape “guetsli no.01” von khaderbai aus der Schweiz ist anders. Und zwar weder so noch so anders, also kein vollständiger Bruch mit gewohnter Ästhetik, sondern mehr oder minder traditionelle Soul, Jazz und vor allem Funk-Samples.  Dabei entstehen Songs mit opulenten Samples, die nicht überladen wirken. Die Drums sind dynamisch und treibend, aber nicht hektisch. Komplex arrangiert, aber nicht verkopft. Kurzum: die Beats haben mich schnell gefangen genommen. Das Tape, das zum NYP-Download angeboten wird, scheint dabei ein Work-In-Progress-Projekt zu sein, mit den frühsten Tracks aus dem August letzten Jahres und den neusten aus diesem Jahr. Starkes Beat Tape, bestimmt für mehr als zwei Durchläufe – ich bin schon beim Dritten.

khaderbai – stocki

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Boombap-Revival – hin oder her, Vinyl-Statussymbol – dies das, Dilla-Changed-My-Life-T-Shirt – du mich auch; im Hause 58 Muzik, der Labelheimat von ABSZTRAKKT, R.U.F.F.K.I.D.D. etc., schert man sich nicht um solche Moden und gut distinguiertes Hipstertum – auch wenn die Fliege auf dem Cover von 2Seitens Mixtape “58 Gründe” anderes erwarten lässt. 2Seiten (aka Back-Draft) ist schon seit Ende der 90er-Jahre im Spiel und hat dem Sound über die Jahre die Treue gehalten. Bevor dieses Jahr sein zweites Solo-Album erscheint haut er unterstützt von unzählige Rappern (u.a. Proton, Terminus, Jokaz, Ket, P. Hightower, Alex Hope, Patrone, Rheza, Kordy, Terence Chill) ein (kostenloses) Mixtape zum NYP-Download  raus. Zu hören gibt es darauf weitestgehend kompromisslosen Battlerap, keine witzig-ironischen Punchlines, sondern straight auf die Fresse; mit der dem Ruhrgebiet eigenen Ernsthaftigkeit, die schonmal die nötige Spur Selbstironie vermissen lässt.  Leider ist fast auf jedem Track – was angesichts der Unzahl an Beteiligten nicht verwundert – ein eher wacker Part drauf, der entweder durch hölzener Flows, mangelnde Technik oder hinkende Vergleiche negative auffällt, so dass etwas strengere Selektion dem Tape sicher gut getan hätte. Dafür gibts statt eingängiger Mit-Rap-Hooks die sehr ordentliche Deck-Arbeit von Dj Cutoon, Dj Cutz Penza, Dj D18, DjTimFX. Standesgemäß verpackt werden die Battletexte von den FritzFresh, FabbRoc, Max Miles, Wenzel Washington u.a. in harten, nicht zu opulent-dramatischen Sample-Beats. Insgesamt trotz einiger schwacher Parts ein ordentliches Deutschrap Tape, das sicher seine Hörer findet.

2Seiten feat. Proton, Terminus & Dj Cutz Penza – Cypher

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Ein solches Reste-Rampe-Tape gab es hier schon ewige Zeiten nicht mehr. Aber ein solches Reste-Rampe-Tape ist mir auch noch selten untergekommen, immerhin hat Duck Downs Marco Polo hier Tracks mit Rakim, Das EFX (!) und DJ Revolution, Big Daddy Kane, Tragedy Khadafi, Lil Fame, Torae , Ruste Juxx, Large Professor, Adrian Younge und einigen anderen aufs Auschuss-Tape gepackt. “Politics & industry bullsh*t” seien daran schuld, dass es diese Tracks nicht auf das im Juli erscheinende reguläre Album “PA2: The Director’s Cut” geschafft haben.  Die Veteranen schlagen sich gut und scheinen mehr als Alibi-Parts für die Rente abgeliefert zu haben, auch wenn richtige Hits fehlen. Zum Sound muss man angesichts der Beteiligten wohl kaum noch etwas sagen: Klassischer NY-Boombap; hart und trocken aber mit durchschnittlich mindestens einer Spur mehr als auf den 80/90er-Jahren Releases. Marco Polos gelingt es den ‘golden Era’ Sound einigermaßen staubfrei ins Jahr 2013 zu bringen, obwohl sich mir ein bei Marco-Polo-Releases bekannter Eindruck einstellt, dass das alles vor 10 – 15 Jahren deutlich beeindruckender geklungen hätte. Heute ist es immer noch ein überdurchschnittliches  NY-Reminisce-Tape.

Marco Polo –  Double eXXecution feat. Torae & Ruste Juxx


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Die größte Limitierung jedes MCs ist sein Wortschatz, wer mit 200-Wörtern eine abwechslungreiche Rap-Platte machen will, scheitert wie jedes Hot-AC-Radio an einer abwechslungsreichen Playlist. Wie praktisch ist es, wenn man seinen Wortschatz einfach verdoppeln könnte. Nicht zuletzt deshalb ist der Slang aus amerikanischem Rap nicht wegzudenken. Und was dem Amerikaner sein Slang, ist dem Deutschen sein Dialekt, nur fristet dieser im Deutschen Hip Hop eher ein Nieschendasein. Dieses grandiose Tape habe ich bei der ersten Adresse für Mundart-Rap in der deutschsprachigen Blogosphäre gefunden. Die beiden bayrischen Rapper BBou & Liquid haben jetzt ihr gemeinsames Tape “Bavarian Wasted Youth” veröffentlicht und setzen die Wortschatz-Verdopplung konsequent um. Obwohl sie inhaltlich – soweit ich etwas verstehe – keine Maßstäbe setzen und sich vor allem traditionell aufs Braggen & Boasten, Battlen & Representen beschränken kommt ihr Tape fresher als Weißbier im Biergarten. Zusammen mit modernen, voluminösen, eher Drum- als Melodie-orientierten Sample-Beats von Maniac (Demograffics) kommt ein Sound der so dezidiert bayrisch und doch so wenig provinziell ist, wie die starken Kollabos von PaceWon  & Mr. Green. Unbedingt zu loben ist noch die fritteusenbutterfette Endproduktion von Kaveli und die Cuts & Scratches von DJ Flow One. Für diese beiden ist hoffentlich Schluss mit Nieschendasein – nicht trotz, sondern wegen ihres ausgeprägten Dialekts. Fazit: Sensationell!

BBou & Liquid – Skibedibap 

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Als zusätzliche Hörprobe zu dem Album checkt das unterhaltsame Video Snippet:


Und als Bonus den non-Album Remix von Haftsbefehls “Chabos wissen wer der Babo ist” von BBou
BBou – Bazis wissen wer da BBou is

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Aktualität ist mir scheiss egal. Wenn ich ohne hin nicht mehr regelmäßig Blogge und alles meinem geschätzten Kollegen Gerhard überlasse, dann gebe ich Dopeness absoluten Vorrang vor Aktualität. Ensilence droppte ihr Tape Exile bereits im im Juni letzten Jahres und dank Stefan Johannesberg von Laut.de bin ich jetzt darüber gestolpert. Die Rapperin aus New Castle, Pennsylvania schert sich ebenfalls nicht um Aktualität und fängt auf ihrem Tape den 90er Vibe präzise ein, der in Deutschland die Jahrtausendwende geprägt hat: Ernsthaftigkeit – im positiven Sinne – und Message, runder “Jean Grae-Type Of Flow” (wudo) und ungeposete Echthalter-Attitüde. Die Beats sind erwartbar samplelastig, mit Kraft und Volumen, aber eher reduziert als opulent und bilden ein homogenes Ganzes, selbst der gelegentliche Synthesizer-Einsatz fügt sich wunderbar ein und sogar an die Cuts & Scratches wurde gedacht – was heute nun keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Ich kenne sonst keinen der Beteiligten wie Yorel Tifsim,  Idasa Tariqm, Kid A und andere am Mic oder den Produzenten Fathom 9,  Buscrates, SoulSeeker,  Teflon Dawn  uvm. Insgesamt eine starkes 90s-Retro-Tape, dass einem den kommenden Mai 2013 wohl genauso versüßt, wie den Juni 2012.

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Ein Novum in meiner noch recht jungen Karriere als Sammelstellen-Co-Autor: ein E-E-E-Exclusive! Also nicht ganz, denn die Scheibe von Lord Leonator gibt es jetzt für alle gratis, aber das hat er tatsächlich erst für diesen Artikel so eingestellt. Das ehrt uns sehr und er soll diesen Schritt auch nicht umsonst gewagt haben. Zu hören gibt es auf dieser Beat-EP nämlich angenehm schunkelige Boom Bap-Tracks, die zwar sehr an J Dilla erinnern, aber besser ein gutes Vorbild, als schlechte Experimente. Und da der junge Mann sicher noch genug Zeit hat, sich nach und nach weiter zu entwickeln, gebt dem Tape mal eine Chance. Dass seine Beats durchaus geeignet sind, darauf zu spitten, kann man sich auch direkt mal anhören. There you go!

Lord Leonator – Can You Jump? (feat. AMMOeinser + Kontrast)

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Hallo. Mal wieder müsst ihr meinen Hang zur Skurrilität ertragen oder euch mit mir über Nachschub freuen – ganz, wie ihr wollt. In jedem Falle möchte ich euch über dieses Tape berichten, welches ich eines Tages in meinem Postfach fand. Die Überraschung gleich zu Beginn: beim ersten Reinhören hörte sich das Ganze sehr nach den älteren Huss & Hodn-Sachen an: die gemütlich-beschwingten Beats voller jazziger Instrumentalsamples von Radsch, die leicht verrückten Texte, verpackt in kunstvoll-holprige Raps der beiden MCs Fackowsky und Darn Yellow, von denen einer auch noch genau so klingt wie der gute Herr Retrogott, und wenn dann noch in anderen Sprachen – unter anderem eben in Spanisch – gerappt wird, ist die Illusion fast perfekt. Dafür wird auf den 8 Tracks allerdings weitestgehend auf das Wort “Hurensohn” verzichtet, soweit ich das beim bisherigen Durchhören mitbekommen habe. Thematisch reitet man hier auf einem bunten Regenbogen voller Phantasie. Ob positive Ratschläge für das Leben, die Abenteuer eines Menschen mit tropfender Nase oder die Geschichte eines Mordes, der dem Zuhörer angehängt werden soll – es ist für jeden etwas dabei. Man hört einfach, dass alle Beteiligten jede Menge Spaß hatten und das bereitet auch mir Spaß. Denn Spaß macht bekanntlich Spaß. Ich hoffe auch euch.

Kuchenbäume – Hallo

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Manchmal ist es ja wirklich schwer vor sich selbst – oder gar Fremden gegenüber – zu rechtfertigen, wieso man den einen Rapper nun gut findet und den anderen nicht. Im Falle von den Beats von Apfel und den Texten von Aem 16 fällt mir das allerdings leichter. Die warmen Boombap-Beats gefallen durch knisternde instrumentale als auch vokale Samples, sowie teils eingehenden Melodien bzw. Samples von solchen. Da wurde das Rad nicht neu erfunden, aber die Produktion qualitativ hochwertig ausgeführt. Die Raps halten da nicht immer mit, sind aber durchaus solide und überzeugen durch teils melancholische Beobachtungen und unaufgeregten Battlerap. Zusätzlich kommen die Cuts von Mare und umglottis und runden das 12 Track starke Album ab. Da haben die aus Freiburg stammenden und derzeit wohl in Berlin lebenden Jungs jedenfalls ein nettes Paket geschnürt, auch wenn das schon im Juni 2012 passiert ist. Reinhören lohnt sich und lässt auf Nachschub hoffen.

Aem 16 & Apfel – Die Guten Neuen Zeiten

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Dass Musik stark mit Gefühlen zusammenhängt, ist nichts Neues, aber dass Musik in mir Unbehagen auszulösen vermag, passiert eher selten. Manche der Bilder, die der Wuppertaler Prezident mit seinen Texten zu malen weiss, schaffen das allerdings selbst beim wiederholten Anhören. Natürlich ist dies kein Kritikpunkt und auch gehen nicht all seine Texte in diese Richtung, aber das ist eine seiner hervorzuhebenden Stärken. Ob diese eher unbequemen Lieder auch der Grund sind, dass er nicht wirklich aus seinem Nischendasein heraus kommt, mag ich nur zu vermuten. Dieser Misanthrop will das allerdings auch gar nicht, und das zeigt er uns erneut. Seine Sichtweise, die vor Allem vom Unmut gegenüber anderen Rappern, den eigenen Fans und Menschen generell geprägt ist, wird hier in sechs abwechslungsreichen Tracks deutlich rübergebracht. Zudem spielt er erneut eine dieser dunklen, gewalttätigen Phantasien ohne Happy End durch, welche in mir das zuvor erwähnte Unbehagen auslösen. Seine Boom Bap-Beats – produziert von Epic Infantry, Bojanglez, Dubios und der Beat Manufaktur Potsdam – voller instrumentaler und einiger vokaler Samples sind qualitativ hochwertig und unterstützen Stimme und Stimmung einwandfrei, ohne sich jedoch in den Vordergrund zu drängen. Nur einmal bekommt der Hauptakteur Unterstützung in Sachen Rap, namentlich von Private Paul. Für Freunde von Prezident also ein schöner kleiner Happen auf dem Weg zum angekündigten Album, welches im Herbst kommen soll. Falls ihr mit ihm bis dato allerdings noch nie etwas anfangen konntet, wird das wohl jetzt auch nichts.

Prezident – …und immer noch nicht nach Berlin gezogen (prod. v. Bojanglez)

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