Für den einen ist es ein zweiter Frühling nach Company Flow und 20 Jahren im Musikgeschäft – wobei Geschäft in diesem Kontext etwas schlecht passt – und für den anderen geht es über 10 Jahre nach dem vielversprechenden Start an der Seite von Outkast jetzt erst so richtig los. Die Rede ist von Def Jux Chef und Produzent EL-P und ATL-Rapper Killer Mike, die sich erst Ende 2011 kennenlernten und seit 2012 jedes Jahr ein Album raushauen. Jetzt ist nach Killer Mikes Soloalbum “R.A.P. Music” der zweite Teil von “Run The Jewls” erschienen. Darauf zerlegen die beiden so brachial, dass sich East- wie Westcoast nur verstört umschauen können, Track für Track. Killer Mike rappt präzise und on-point selbst bei komplexen Tempowechseln, auch EL-P macht eine zumindest ordentliche Figur am Mic. Dazu lässt EL-P Bässe wabern und lässt  ohne zu starke Orientierung an aktueller Mainstream-Trap-Ästhetik die Synthesizer durchdrehen. Dabei gelingt ihm trotz teilweise vieler Layers stets die Reduktions auf ein grundlegendes, fast minimalistisches Soundgerüst. Wem es bei dieser Qualität doch etwas peinlich ist, das Ding umsonst zu beziehen, der kann es in einem von zahllosen Paketen entstehen vom 10$ Digipack, das 65$ Vinylpack über das 35.000$ Wohnzimmer-Konzert bis zum 10.000.000$ Rentenpacket.

Run The Jewels – Oh My Darling Don’t Cry

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2009 war mein goldenes Hip Hop-Jahr. Die Alben von Fashawn, Diamond District, Kamp & Whizz Vienna auch von Huss & Hodn und Hiob & Morlockk Dilemma drehen noch heute häufig bei mir ihre Runden. Neben diesen zu meinen persönlichen Klassikern gereiften Alben spülte das Jahr 2009 aber noch eine Vielzahl kleinerer Perlen an die Oberfläche, zum Beispiel das tolle Mixtape von Charlie Ross, dessen Guru-A-Like-Stimme mir noch heute im Ohr ist. Während Fashawn und Diamond District dieses Jahr nachlegen, hat Charlie Ross anscheinend bereits letztes Jahr nahezu ohne Aufmerksamkeit ein Tape zum NYP-Download veröffentlicht. Soular Heights, das sind anscheinend Charlie Ross, Dave Scars und Alphabet.Vielmehr ist darüber nicht zu erfahren und nicht einmal dabei bin ich mir sicher – zumindest hört man mehrere MCs. Der Sound schafft augenblicklich Wohlfühlatmosphäre wie ein Wohnzimmer: Warmer, immer etwas opulenter DMV-Boombap mit weiche Bassdrum und teilweise mehr Obertönen als Snare – vielleicht vergleichbar mit Apollo Browns Instrumentals. Dazu gibt es Gimmickfreie Raps mit Oldschool-Attitüde: “It’s a old formula but something new”. Einziger Wermutstrompfen ist das schlechte Mastering, denn das Tape knarzt und kratzt teilweise unangenehm. Fünf Jahre nach 2009 gibt sich Hip Hop Mühe mir wieder zu gefallen.

Soular Heights – More Power



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Mittlerweile bin ich der Art vorurteilbeladen gegenüber jedem Rap, der nicht sofort meinen Stereotypen entspricht, dass mich bereits die Namen der neuen Generation schon abschrecken. Um mir mal wieder etwas auf die Sprünge zu helfen kommt das Tape von Ricky Dubs gerade richtig. Denn neben vielversprechenden Newcomern wie  Mick Jenkins and YC The Cynic und Acts deren Namen ich nicht mal aussprechen kann wie Kami De Chukwu, wird der Ignorant in mir mit mir bekannten Qualitätsversprechen von Roc Marciano und Ill Bill über Meffew Raggazino bis Add-2 angesprochen. Um dann alle Zweifel zu zerstreuen, dass ich es hier mit einem starken Produzenten Debüt zu tun habe, wird man auf dem ersten Track gleich von einem reduzierten 30er-Swing-Sample in den Bann gezogen. Auch auf den folgenden Tracks gelingt es dem Produzenten aus Chicago über weite Strecken mit wenigen Mitteln eingängige Boombap-Beats zu entwickeln, die den MCs immer genug Raum lassen sich zu entfalten. Die Rappern nehmen diese Gelegenheit dankend und ohne größeren Ausfall auf. Kein Tape, das Ignoranz rechtfertigen würde und kurz genug, dass es nicht langweilig wird.

Ricky Dubs - Keep It 100 feat. Mick Jenkins & YC The Cynic

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Vor einigen Tagen hing ich bei einem Kollegen auf der Couch – wie früher, wir spielten Fifa – wie früher und hörten Lance Carvell – wie früher, jetzt habe ich den Download bei allgood gefunden. Als wir die ersten Male gemeinsam vor Fifa hingen, war LaCa der vermutlich vielversprechendste Underground-Rapper Deutschlands. Dann hat er leider zu viel Justice und Elektro gepumpt und wir haben zum Zocken lieber “Jetzt schämst du dich” laufen lassen. Jetzt ist er zurück mit einem Tape, dem obwohl die Haare dünn geworden sind, nichts von seiner Freshness abhanden gekommen ist. Weiterhin kickt LaCa seine ignoranten Styles und rappt wie er redet und trotzdem hört man dem Tape die Reife an. Vielleicht liegt es wenigstens einen Hauch nachdenklicheren Beziehungslyrics, die sachte an die erschreckende Ehrlichkeits Kamps erinnern. Vielleicht liegt es auch an dem neuen Soundgerüst, denn statt Synthesizern und Jahrtausendwende-Berlin-Sound gibt es jetzt vornehmlich downtempo Samplebeats. Woran auch immer es liegt: LaCa gelingt mit seinem Tape aus dem Nichts das bis dato freshste Comeback des Jahres.

LaCa – Bitchalarm an

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Heute gibt es eine große Ausnahme, allerdings auch aus gutem Grunde. Lasst mich erklären: normalerweise schreiben wir keine Artikel über klassische DJ-Mixtapes, welche aus diversen Songs anderer Künstler zusammengestellt sind, da es da schnell zu Copyright-Problemen kommen kann – wie damals. Wenn allerdings der allseits bekannte Journalist und HipHop-Connaisseur Falk Schacht aka. Hawkeye uns wie ganz selbstverständlich bei unserem Aufruf hilft und mir kurz darauf eine Nachricht schickt, ob dieser, sein eigener Mix nicht etwas für uns wäre, dann kann ich einfach nicht ablehnen. Und mit diesem Beat-Gewitter aus insgesamt 28 verschiedenen Tracks, bietet uns der Herr auch eine feine Instrumental-Auswahl für die sommerliche Fahrt im offenen Jeep an. Daher auch der Name, denn das war wohl mal so üblich, wie wir das vom HipHop-Lehrmeister auch direkt gelernt haben. Eine feste Genre-Eingrenzung mag mir nicht gelingen und bei dem ein oder anderen Track ist der verehrte Leser vielleicht versucht ein “Das hat doch mit HipHop nichts zu tun!” ausrufen zu wollen. Egal aber, denn die Auswahl ist grandios, abwechslungs- und facettenreich und auf höchstem Niveau. Die Instrumentals kommen von teils bekannten, teils unbekannten Produzenten wie Hazeem, Ta-Ku, Benedek oder Apfel und vielen mehr. Und dazu gibt es sogar noch die Auswahl zwischen dem Stream oder einem Download dieses Mixes. Also zuschlagen!

Falk Schacht – Jeep Beats – Music Is Instrumental Vol.1

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BRRRRRRR!!! Der Nachwuchs muss kurz warten, wenn der große Brenk Sinatra eine Sammlung seiner Werke mit zusätzlichen 11 unveröffentlichten Tracks und zwei brandneuen Rap-Features von Waldo the Funk und MC Eight auf ein Mixtape packt, welches somit ganze 27 Anspielstationen stark ist. Als weiterer Rapper ist Marv Won vertreten und Miles Bonney – der zweite Part der S3-Combo neben Brenk – leiht seine soulige Stimme für weitere vier Lieder. Was soll man ansonsten noch viel zu seiner Musik sagen, was nicht alle schon wissen müssten? Der Wiener und Mitglied der Betty Ford Boys gilt immerhin als DER europäische Boss des Westcoast-Sounds. Dass er allerdings auch mehr kann, sollte spätestens nach dieser Sammlung dem letzten Kretin klar sein. Die Variabilität ist erstaunlich und dennoch vermag man jedem Beat die ganz spezielle Brenk’sche Handschrift anmerken. Die Bässe sind tief und haben Bumms, die Kicks klatschen satt, meistens ist noch mindestens ein Blechblasinstrument, eine Tröte, eine Rassel oder alles zu hören. Gesang-Samples alter Gospel- oder Soulstücke, sowie Synthie-Akkorde sorgen oftmals für die nötige Melodie und damit für ein dichtes Beat-Gewirk, bei dem man auch nach mehrmaligem Hören noch Nuancen entdecken kann. Ohne auch nur Probe zu hören, sollte dies ein Pflichtdownload sein. BRRRRRRRR!!!

Waldo The Funk – Gegen den Teufel (prod. by Brenk Sinatra)

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Folgendes Szenario: Es ist Sommer. Am Strand brennt die Sonne, während eine leichte Brise und ein Bad im klaren Wasser für ein wenig Erfrischung sorgen. Neben einem kühlen Bier weiss in solchen Momenten natürlich auch ein Eis am Stiel zu gefallen. Apropos “Eis am Stiel”. An dieser israelischen Filmreihe, welche in den 50er Jahren spielt, haben sich die Beatbastler Mettphonic und Toetensen wohl teilweise inspirieren lassen – der Sound und ein benutztes Filmzitat deuten jedenfalls arg darauf hin. Das 10-Track starke Instrumental-Album weiss mich mit vielen entspannt-groovigen Samples zu überzeugen und klingt manchmal nach einer modernen Untermalung der Filmreihe. Nur ohne die peinlichen Szenen und den altmodischen Humor zwischendurch. Es klingt nach schaulaufenden Halbstarken am Strand, nach einer Tour im Cabrio entlang der Promenade oder nach der Nacht in einer Open Air-Cocktailbar mit potentiellen Sexualpartnern im Blick. Ob mit oder ohne Haze, denn Hauptsache es ist Sommer. Wüsste ich es nicht besser, dächte ich ja eher an eine Herkunft dieses Kleinods aus strandnäheren Gefilden als Duisburg, aber hey…was weiss ich schon über Duisburg? Immerhin eines: geile Beats kommen aus Duisburg. Zieht euch also die abwechslungsreichen und angenehmen Tunes rein. Sie kosten 0,- Euro oder so viel, wie sie euch wert sind.

Mettphonic / Toetensen – sunshine nights (mett)

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Ein Tape strikt ohne Experimente und doch keines für Vorurteile. Die “Coolin’ EP” ist das bisher schönste 90s-Revival-Tape dieser Saison und bietet alles was das Herz begehrt: Allstar-Cuts, entspannten Boombap und einen MC alter Schule. Dabei ist der MC hier eine Frau – mal wieder – und noch dazu eine Europäerin die auf Englisch rappt. Doch was MC Melodee hier abliefert klingt kein Stück nach Schulenglisch. Sie flowt on-point, ohne Sperenzchen und erzählt uns, nunja, Dies, Das, verschiedene Dinge. Dazu hat sich die Niederländerin mit AG von D.I.T.C. authentische 90s-Unterstützung ins Boot geholt und auch der Gesang von Feliciana fügt sich gut ein. Die Beats kommen von Cookin Soul, Like (von Pac Div), Thelonious Martin, Brady James und AJ Beats, keineswegs Kinderzimmer-Produzenten also, die es trotzdem ordentlich rumpeln lassen oder uns mit etwas Low-Fi-Synthesizer und West-Coast-Anleihe einen guten Tag wünschen. Der gesamte Sound changiert dabei so mühelos zwischen Westen und Osten, wie das Wetter hier in Flensburg – und jetzt genug der schlechten Vergleiche. Rein hören, lohnt sich!

MC Melodee – Naked City feat. AG of D.I.T.C.

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Wer die Cosmo Gang kennt, der weiss was jetzt von Mitglied und/oder Kumpel Albert Parisien kommt: Rap über Kush, Chillen, Wax im Vaporizer, Abhängen, Blunts und der namensgebenden Coolness, die man dabei vermutlich ausstrahlt. Viel Abwechslung sollte man also nicht erwarten. Viel Action auch nicht, und so rappt Albert ziemlich langsam und gedehnt auf smoothen – exklusiv für ihn produzierten – Beats, ohne viel Bumm, nur ein wenig Tschakk aber dafür um so mehr sphärischen Synthie-Tönen, wobei seine Stimme perfekt zum Gesamtbild beiträgt. Unterstützung bekommt er dabei hier und da von den Kollegen Modee, Johny Space, Adi Space und Ludwig Altona, welche sich ebenso in das Schema einfügen. Fast jeder Song ähnelt einer (in Zeitlupe) ausgeatmeten Rauchschwade, die langsam in den Himmel steigt, nur um dann im Nichts zu vergehen. Nur 140′ The Good Life, welches musikalisch an Tanzfilmsoundtracks der 80er Jahre erinnert, könnte dem ein oder anderem Hörer eventuell zu hektisch wirken. Ihr seid gewarnt. Für Freunde des gemütlichen Verbrennens von Kräutern ansonsten anscheinend der perfekte Soundtrack. Viel Spaß damit.

Albert Parisien – Wax im Vapo

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Weit mehr als 50 Tapes, EPs, Alben, Videos und MP3s wurden mir im Zuge der kleinen Aufmerksamkeits-Offensive der Sammelstelle zugeschickt, wobei ich dafür vor allem Falk Schacht dankbar bin, der unsere Sache glücklicherweise auf Facebook und Twitter geteilt hat. Natürlich ist es nun schwer alles sofort in Ruhe durchzuhören und den ersten Artikel in Angriff zu nehmen. Ausser…ja ausser etwas sticht regelrecht aus der Masse hervor und befriedigt mein Verlangen nach Skurrilität. Und aufgefallen ist definitiv der grundsympathische Toni Steil mit seiner Mischung aus Schlager, Pop und Rap, die ich tatsächlich schwer einordnen, aber um so mehr geniessen kann. Wie der kreative Name der EP schon vermuten lässt, werden mal BritneyToxic – mit der Hilfe von Uwe –, mal Hall & Oates Maneater oder auch RihannaStay – glaube ich – als Grundlage genommen und neu interpretiert. Obwohl die Ergebnisse textlich dabei klischeehaft-romantisch daherkommen sind – ohne jedoch wirklich ins Alberne abzurutschen – haut er dann mit Kohlfahrt – und einer dazugehörigen und separat erhältlichen EP – aber noch einen Party-Banger raus, der zum traditionellen und namensgebenden Grünkohlessen vor allem der norddeutschen Hörerschaft oder Mallorca-Urlaubern gefallen könnte.

Toni Steil feat. Uwe – Gift

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