Hip Hop ist ja prinzipiell eine Musikrichtung, deren Akteure das Rampenlicht durchaus nicht scheuen. Doch es gibt immer wieder Ausnahmen, die man aus irgendeinem Grund nicht wahrnimmt. Der Produzent DJ House Shoes ist so ein Fall, er arbeitet schon lange im Hip Hop Zirkus und fast ausschließlich mit Rappern zusammen, deren Schaffen ich durchaus verfolge und dennoch hab ich bisher noch nie von ihm gehört. Am 19. Juni veröffentlicht er sein erstes reguläres Studioalbum und droppt zur Promo hier den ersten Teil von zwei Tapes, die einen Überblick über seinen bisherigen Katalog geben. Obwohl er in L.A. arbeitet und lebt hört man seine Detroit-Wurzeln deutlich raus. Für Proof, MED, Danny Brown, MarvWon, Roc Marciano, Finale, Invincible, Boog Brown und andere baut er schnörkelose, harte eher staubig bis sauber ausproduzierte statt dreckig-scheppernde Instrumentals. Das Tape macht in jedem Fall neugierig auf das Album, so ignorant wie bisher werde bei DJ House Shoes künftig sicher nicht mehr sein.

Update: Wer A sagt muss auch B sagen, bzw. wer einen Part 1 veröffentlicht, muss einen Part 2 nachlegen und DJ House Shoes hat Wort gehalten und den zweiten Teil zum Download freigegeben. Neu mit dabei sind neben einigen Vertretern des ersten Tapes dieses mal Elzhi, Mo$$ und andere. Im Klartext: Mehr vom Selben, mehr Detroit. – Den Download gibts nach dem Jump.

 DJ House Shoes – Stomp feat. Marwvon

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Anders als alle Nationen der alten Welt war Amerika seit der politischen Unabhängigkeit niemals eine Monarchie. Trotzdem leidet amerikanischer Hip Hop nicht erst sei der Kanye & Jigga Kollabo “Watch the Throne” an einem Königs-Komplex. Chuuwee scheint diese Eigenart besonders hart erwischt zu haben, nach seinem ebenfalls “Watch The Throne” genannten sehr starken Mixtape letztes Jahr, legt er nun mit dem über Amalgam Digital veröffentlichten Album “Chrown Me King” nach. Chuuwee ist ohne Zweifel ein vielversprechender Newcomer: Trotz unauffälliger Stimme entwickelt er eine Präsenz am Mic um die ihn viele erfolgreichere Kollegen beneiden dürften. Zudem muss er sich weder inhaltlich noch in formaler Hinsicht hinter den mittlerweile etablierten Westcoast Rapper der neuen Generation wie Fashawn oder Blu verstecken. Unterstützung am Mic bekommt er dabei von eher unbekannten Featuregästen Mean Doe Green, Don Trip, Abstract Ninjaa, Hopie und anderen. Auch sein musikalisches Gewand wurde zwar nicht von den prominentesten Schneidern genäht, aber ENG, The Audible Doctor, GoldenChild, Insightful und andere verstehen ihr Handwerk aber ebenso ordentlich und versorgen den Sacramento MC mit stets solidem Neo-Boombap, der sich nur selten in den Vordergrund spielt. Ob der Sprung von der Beobachtung des Throns zur Krönung tatsächlich den Unterschied vom Mixtape zum Album rechtfertigt will ich nicht beurteilen, dass sich mit Chuuwee ein legitimer, potentieller Anwärter zumindest auf den Westcoast-Backpack-Rap Thron in Position gebracht hat, unterstreicht dieses Release erneut.

 Chuuwee – The Crown Don’t Make You King feat. Don Trip & Dj Next (prod. The Audible Doctor) 

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Bei uns in Trier gibt es ein Momo-Graffiti-Kollektiv, bevor die Jungs anfingen mit schicken Stencils Stromkästen verzieren, gab schon es einen Maler, der die Walls mit sensationellen Momo-Characters – wie den grauen Männern, die die Zeit stehlen – gefüllt hat. Michael Endes kulturkritisches Kinderbuch hatte anscheinend einen großen Einfluss auf die mit ihm seit Anfang der 70er groß gewordene Generationen. Die Hamburger Rapperin Temmy Ton, die evtl. von ihrem Debüt “Komma aufn Punkt” bekannt sein könnte, hat dem kapitalismuskritischen Buch nun auch eine kostenlose EP gewidmet. Temmy Ton ist geprägt von dem Hamburger Hip Hop der 90er Jahre und das hört man deutlich raus, im Positiven wie im Negativen. Mit genommen hat sie die Ernsthaftigkeit und das Echthalten in den Lyrics: Sie beschwert sich über die Elektro-Rap-Tendenzen der Vergangenheit, Samys Gesangsalbum und rappt doch “Ich bin ein MC der seine Hooks singt” – und das macht sie wirklich, praktisch auf jedem Track. Mitgenommen hat sie auch die warmen, souligen Sample-Beats, nach denen sich früher halb Hamburg die Finger geleckt hätte und für die vor allem Deckah und BoFlowers verantwortlich sind. Mit genommen hat sie aber auch das Immer-Auf -Die-Vier-Reimen und den etwas simpelen, monotonen Flow, der aber immer wieder von Gesangseinlagen aufgebrochen wird. Mit Umse und Nico Suave – obwohl beide nicht aus Hamburg kommen – hat sie sich gleichermaßen einen alten und neuen Vertreter der Hamburger-Rap-Schule ins Boot geholt. Extra Punkte gibt es für die Cuts von DJ Mic-E und Sleepwalker. Für Fans von Hamburger Rap mit einer hohen Toleranz für gesungene Hooks liefert Temmy Ton eine wirklich sehr starke EP ab.

Temmy Ton – Hallo Hip Hop (prod. Deckah)

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Meiner Ansicht nach leiden viele Hip Hopper an einer Art musikalischem Minderwertigkeitskomplex. Man hat sich über die Jahre von der Mainstream-Musiklandschaft einreden lassen, das Hip Hop keine echte, ernstzunehmende, erwachsene Musik sei, weil man ja schließlich keine echten Instrumente verwende – obwohl das Sample wahrscheinlich zu der Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts aufgestiegen ist. Anders ist es nicht zu erklären, dass – speziell auf Live Konzerte – die Band nicht mehr weg zu denken ist. Für mich ist Rap mit echten Instrumenten in vielen Fällen jedoch Pop-Musik mit Sprechgesang. The O’My’s sind so eine Hip Hop-Kapelle mit echten Instrumenten. Zusammen mit dem Produzenten Duo Blended Babies erschaffen sie sehr melodiöse und zu weilen butterweiche Songs, die mit Hip Hop nur noch am Rande zu tun haben. Konsequenterweise verzichtet der Sänger der vier Jungs fast gänzlich aufs Sprechen und setzt stattdessen auf leicht kopflastigen Soulgesang, der immer min. ein paar Zeilen zusteuert, dafür haben sie sich mit GLC, Chance the Rapper und Nico Segal etwas Rap-Support ins Boot geholt. Herausgekommen ist ein sehr rundes Soul-Pop-Album mit Sprechgesang-Einlagen, ein Glück, dass man auch auf diese Weise gute Musik produzieren kann.

 The O’My’s – The Wonder Years feat. Chance the Rapper & Nico Segal 

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Es gibt Dinge, die können eigentlich gar nicht schief gehen. Ein Schokoladenkuchen der aus vier Tafeln Schokolade besteht bspw. oder ein Album komplett aus Roy Ayers Samples, wie es das US-Projekt  Roy Ayers Project jetzt in der dritten Ausgabe vorgelegt hat.  Roy Ayers, der in den 70er Jahren und 80er Jahren mit seinen zahlreichen Solo-Alben den Sound der schwarzen Musik – Jazz-Funk bis Soul – maßgeblich prägte, hat genug hochwertigen Output hinterlassen, den man schon mutwillig zerstören müsste um ihm seine Qualität zu nehmen. So schadet es auch nicht, dass mir die Beteiligten Produzenten dieses instrumentalen Projekts wie Black Noi$e, knx, chris△re,  Linus, Shuten und viele andere völlig unbekannt sind. Bahnbrechend neues muss man von diesem Sampler nicht erwarten. Weitestgehend werden die Originale konventionell in Hip Hop Beats konvertiert, sprich: es dominiert jazziger, selten souliger Boombap, gelegentlich mit Synthies angereichert, doch ohne gewagte digitale Dekonstruktion. Die Beats zeigen deutlich einen Willen zur ästhetischen Eigenständigkeit, doch es ist klar,  dass unter so vielen Beteiligten nicht alle das gleiche Niveau halten können. So bleibt trotz des außerordentlichen Ausgangsmaterials gerade noch  ein überdurchschnittliches Projekt.

Shuten – Warm Vibes 

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Der 20. April ist als der internationale Kiffer-Tag traditionell ein Mixtape starkes Release Datum. Strong Arm Steady wollten auch mit von der Partie sein am 20.04 aber sie haben es nicht geschafft ihr Kollabo Projekt mit Statik Selektah rechtzeitig fertig zu kriegen. Damit die Fans nicht leer ausgehen, haben sie schnell eine andere kleine EP zusammengeschmissen mit Tracks die ebenso rumlagen. Mitchy Slick, Phil Da Agony und Krondon – sind die eigentlich noch zu dritt – haben dafür Beats von Nottz, DJ Khalil, Lee Bannon und anderen gepickt, die nicht nur den für SAS-Releases nicht unüblichen Neo-Boombap servieren, sondern ebenso ein Instrumental mit angesouthten Synthies oder einem butterweichen Westcoast R&B Beat. Am Mic bekommen die soliden, aber leider niemals überragenden Rapper Unterstützung von Obie Trice, Mistah F.A.B., JellyRoll und Washay Choir. Es ist sicherlich besser die Tracks zu veröffentlichen, als auf der heimischen Festplatte verrotten zu lassen. Doch auch wenn bei dieser heterogenen Tracksammlung ein, zwei starke Nummern dabei sind warte ich doch lieber auf StereoType-Projekt mit Statik.

Strong Arm Steady – LOVE (prod. Nottz)

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Als ich das erste mal von Gangrene hörte, dachte ich, dies sei eins dieser schnell ins Leben gerufenen und eben so schnell wieder vergessenen Kollabo-Projekte amerikanischer Hip Hop Musiker. Das The Alchemist und Oh No! ernst machen und mit “Odditorium” bereits ihr fünftes Projekt veröffentlichen hätte ich nicht gedacht. Obwohl mich selbst der Sound der beiden nicht zu sehr in ihren Bann zieht, bin ich doch beeindruckt von dem eigenständigen vom psychedelischen Blues-Rock der 60er inspirierten Sound. Auf die sehr detailversessenen Beats rappen die beiden hauptamtlichen Produzenten dann – hier ganz ohne Features – auch noch selbst. Das ist ambitioniert, aufwendig produziert und atmosphärisch dicht, mir ist es dennoch etwas zu viel des guten.

Gangrene – Walk Hard

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Es gibt Dinge, die können eigentlich gar nicht schief gehen. Ein Schokoladenkuchen der aus vier Tafeln Schokolade besteht bspw. oder ein Album komplett aus Curtis Mayfield Samples, wie es das internationale Kollektiv Pragmatic Theory jetzt vorgelegt hat. Curtis Mayfield, der in den 60er Jahren mit The Impressions und vor allem in den 70er Jahren mit seinen zahlreichen Solo-Alben den Sound des Soul maßgeblich prägte, hat genug hochwertigen Output hinterlassen, den man schon mutwillig zerstören müsste um ihm seine Qualität zu nehmen. So schadet es auch nicht, dass bis auf ein Reks Features mir die Beteiligten dieses Projekts wie Benchwarmers Clique, Ben Z, Mez, Cor Stidak, Classic The Legend, Synapse etc. alle völlig unbekannt sind. Bahnbrechend neues muss man von diesem Sampler nicht erwarten. Weitestgehend werden die Originale konventionell in Hip Hop Beats konvertiert, sprich: es dominiert souliger Boombap ohne Synthies oder gar gewagter digitaler Dekonstruktion. Die Rapper machen ihren Job ordentlich, obwohl klar ist, dass unter so vielen Beteiligten nicht alle das gleiche Niveau halten können und man manchen ihre nicht amerikanische Herkunft anhört und man nach dem zigsten Curtis Tribute Track langsam der Lobhudelei müde wird. Etwas mehr Willen zur ästhetischen Eigenständigkeit hätte sicher nicht geschadet, so bleibt trotz des außerordentlichen Ausgangsmaterials nur ein durchschnittliches Projekt.

The Benchwarmers Clique Feat. Reks – Sun Goes (Prod. Jewbei)

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Trade Voorhees kommt aus Las Vegas, was für einen Rapper/Produzenten schon ungewöhnlich genug ist – mir sind jeden Falls keine größeren Namen aus der Casino-Stadt bekannt. Abseits der großen Hip Hip Metropolen kann er aber in Ruhe an einem Style arbeiten, der nur selten Berührungspunkte mit aktuellem Mainstream-Rap hat. In meist etwas holprigen oldschool Flow und einer Technik die zur Not auch vor einsilbigen Reimen nicht zurückschreckt, erzählt er ebenso respektlos wie charmant und witzig, wahlweise über wack MCs, Kiffen oder Horrorfilme. Leider versprüht nicht jeder Track diesen unbefangenen Charme, der mich auf den ersten Tracks gleich in den Bann gezogen hat. Die Beats sind – bis auf wenige Ausnahmen – von ihm selbst oder Underground Produzenten wie AbJo, Johnny Millz, Cam, Bhonstro & Weirddough  und Blair. Meist ist es ziemlich dreckiger Boombap, der auch schonmal um einen uralten Synthie ergänzt wird und den Retro-Flavour des Tapes passend einfängt. Insgesamt ein unterhaltsames Tape, das leider unter erheblichen Qualitätsschwankungen  zwischen den Tracks leidet und auch über die Halbwertszeit der Musik bin ich mir noch nicht im Klaren, denn des Reinhörenswert.

Trade Voorhees - Stress Free feat. SLik d (Prod. Johnny Millz)

Stream, Tracklist & Download:


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Was es mir oft so schwer macht Instrumentaltapes zu bloggen, ist – wie ich schon öfter erwähnt habe – die Monotonie sowohl in der klanglichen Ästhetik aber auch in ihrer hohen Qualität. Um bei mir Gehör zu finden muss ein Beattape meine Hörgewohnheiten aufbrechen, mich mit neuem konfrontieren – am eindrucksvollsten ist das im letzten Jahr vielleicht Sepalots ”Beat Konducta Bavaria” gelungen. Das türkische Label Tektosag Records vereint auf ihrem Sampler ”Davulun Sesi Vol. 1” 15 türkische Produzenten und erlangt allein damit schon meine Aufmerksamkeit, denn außer Ceza hatte ich bisher keinen Kontakt mit türkischem Hip Hop. Wie klingt nun dieser türkische Hip Hop? So vielfältig, wie man sich das bei dem großen Brückenland zwischen Orient und Okzident vorstellt: Rustikale Funk-Samples, eine gelungene Mischung aus Breakbeats und Dub (ganz ohne Step), sphärisch-bassige Elektronik und natürlich reichlich Samples türkischer Musik, mal kurz gechoppt auf einer synthetischen Bassline über Rumpeldrums, dann als lange melodische Strings in trockenem Boombap verpackt, ohne dabei aber je ins provinziell volkstümliche abzurutschen. Jeder der Produzenten verfolgt seinen eigenen Stil. Dieses Tape bietet alles, aber keine Monotonie – durchaus hörenswert!

Karacali – Bab-i Ali Remix

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Sotu the Traveller – Verbs

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