Ich gebe zu, dass ich den Beattapes etwas müde geworden bin. Wenn ich wollte könnte ich wohl jeden Tag 1 – 2 reine Instrumental Releases posten. Die meisten wären sogar recht ordentlich, wobei und das ist der Punkt sie sich oft in vorhersehbaren 90s-Patterns bewegen oder mit bemühter Avantgarde mit schlicht zu anstrengend sind. AbJo macht es besser. Der Produzent aus San Diego lässt tatsächlich neue Sounds entstehen, in diesem Fall aus brasilianischer Musik, die ich so noch nie gehört habe. Allein für die Drums die AbJo auspackt lohnt es sich hier einmal reinzuhören, mit reichlich Obertönen werden mindestens vier Layer synkoptisch verschränkt, dass einem, würde man nur die Drumbreaks hören, nie langweilig würde. Dazu kommen meist sehr kurz gechoppte Samples, die zwischen fast blutig roh und hallig-sphärige Computerverzerrung jede Couleur aufweisen und nie zu aufdringliche Synthesizer-Strings im Hintergrund. Was anstrengend verkopft klingt entpuppt sich im Zusammenspiel als absolut kopfnickbare Hip Hop Beats. Solche Beattapes würde ich mit Freuden jeden zweiten Tag posten.

AbJo – Barumba

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Ist es zu fassen, dass ich obwohl Tanya Morgan seit Jahren ein gefühlter Stammgast der Sammelstelle ist, ich noch nicht ein einziges ganzes Tanya Morgan Release gepostet habe? Ist es nicht. Heute haben die beiden wohl recht überraschend ein kleines Mixtape für lau gedroppt und ich ergreife die Gelegenheit beim Schopfe um meinen Fehler wieder gut zu machen. Von Pea  und Donwill machen Musik die man vor drei Jahre ohne mit der Wimper zu zucken als Hipster-Rap beschrieben hätte, da man das heute nicht mehr sagt nenne ich es kurz um Post-Boombap. Das heißt so viel wie zwischen organischen und elektrischen Ursprungs wechselnden aber immer sehr harmonieorientierte Instrumentals, die die Tür zur zeitgenössischen Popmusik auch mal weiter aufstoßen und zwei eben so melodiös rappende MCs. Dazu gibts auch mal eine Gesangshook und Features von Exile – dessen Feature nach seiner Produktion klingt -, Jermiside, Napoleon, Che Grand, Tiffany Paige. Kann man sich schon anhören die beiden, obwohl Hipster Rap offiziell für tot erklärt wurde.

Tanya Morgan –  Together (feat. Exile)

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Die meisten Tapes die mir vor die Ohren kommen, machen es mir relativ leicht mit vergleichsweise erwartbarer Ästhetik, Struktur und Thematik, in den meisten Tapes kann ich mich ziemlich schnell orientieren. Dieses Tape vom Texanischen Duo The Mohicans stellt meine Hörgewohnheiten jedoch vor eine nicht unerhebliche Herausforderung. Es wäre zum einen der synthetische Flächensound, die schwachbrüstigen Drums der Instrumentals die ihre Südstaaten-Herkunft nicht verheimlichen oder aber sich mit sperringen Sounds aus durch den Computer gezogenen Samples und wabernder Baseline in den Gehörgängen querstellen. Zum anderen wäre da die, zwischen Devin The Dude und Native Tongues changierende, Delivery mit oldschooligem Singsang-Flow kombiniert mit einer radikal jetztzeitigen Raptechnik, die mühelos zwischen melodischen Parts und Doubletimes switcht, dass es einem schwindelig wird. Bei jedem neuen Track frage ich mich nach zwei Takten ob ich das wirklich posten will, nach den ersten 16 bin ich mir sicher, dass ich es will und während der Hook will ichs mir wieder anders überlegen. Anders gesagt, dieses Tape bedarf sicherlich einiger weiterer Hörgänge, damit ich mich in ihm orientieren kann. Diese Orientierungsphase macht aber soviel Spass, dass ich nur raten kann sich ein eigens Urteil zu bilden – zumal ich meinem nicht wirklich traue.

The Mohicans –  Identity Crisis

The Mohicans –  Fa Shiggadow

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Termanology ist so ein Phänomen. Unglaublich produktiv und fast wöchentlich irgendwo einen Verse untergebracht und im Jahr meist mehrere Releases. Dazu kommt Unterstützung von großen Namen wie DJ Premier und eine konstante Versorgungsstrecke zu Produzenten wie Statik Selektah oder Lee Bannon, der auch vollständig für “S.T.R.E.E.T.” verantwortlich ist. Und dennoch konnte Termanology sich nie aus seinem Undergroundstatus herausarbeiten. Dazu passt, dass er sich jetzt mit seinem alten Highschool-Klassenkameraden Ea$y Money für ein Mixtape zusammen getan hat. Und wenn man sich die beiden so anhört, bekommt man vor lauter 90s-inspirierten Boombap Beats und Hoody-Rap-Lyrics den Eindruck, dass sie sich da unter den Scheinwerfern des großen Geschäfts ganz gut eingerichtet haben. Unterstützung bekommen die beiden von Reks, der auf keinem Term. Release fehlen darf, Kali,  Fred The Godson und ihrer gesammten Posse St Da Squad. Das Tape ist ganz bestimmt nicht das 8 Hip Hop Weltwunder, aber erfüllt die Erwartungen an ein Termanology Release, bis auf einige etwas zu poppige Ausfälle, voll und ganz.

Termanology & Ea$y Money - Compared to You

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Vielleicht liegt es daran, dass man abseits des großen Medientrubels in Österreich einfach entspannter Musik machen kann, vielleicht aber auch, weil nicht jeder neue Sound-Trend direkt bis in die Alpenrepublik durchdringt. Ganz egal wieso es sich so verhält, wird in Österreich derzeit der hochwertigste, klassische Hip Hop im deutschsprachigen Raum produziert. Die nicht ganz so kurze EP “Die fabelhafte Welt der Amnesie” von Huhnmensch bringt dafür ein weiteres deutliches Beispiel. Schon die ersten Takte wecken die Hoffnung, dass Huhnmensch, Emil F. & Stanley Stiffla wissen was sie tun. Warme, aber nie zu kuschelige Post-Premo Boombap Beats klassisch zwischen Funk, Jazz und Soulsamples changierend bilden die Ausgangsbasis für die an den frühen Dendemann erinnernden Storytelling-, Representer-, und Battletracks mit Witz und Ironie, aber ohne peinliche Comedy. Kritisch anzumerken ist, dass sich textlich an Dende zu orientieren ja durchaus Pluspunkte bringt, es von der Raptechnik aber doch heute andere Standards gibt. Trotzdem ist die EP ein Ohrenschmaus für Freunde traditionellen Hip Hops und wird in meinem MP3 Player sicher noch mehrfach ihre Runden drehn. Stark.

Huhnmensch – Amnesie

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Es ist erst einige Tage her, dass ich zum ersten mal über den Namen Chuuwee gestolpert bin und ich war gleich angetan von der Unbeschwertheit des Jungen MCs aus Sacramento, die typisch ist für jüngste Generation der Westküste. Und wie der Zufall es will hat er heute sein neues Tape “Watching The Throne” gedroppt, in dem er nicht ohne Augenzwinkern den Aufstieg und Fall eines frisch gekrönten Königs beschreibt. Stilistisch lässt er sich in die Reihe der Post-Backpacker einreihen. die in Cali seit einigen Jahren die eigentlich relevante Musik machen. Intelligente Wortspiele, glaubwürdige Lyrics und eine von Understatement geprägte Attitüde kombiniert mit einem nicht extravaganten, aber doch sehr ordentlichen Raptalent machen Chuuwee zu einem wirklich vielsprechenden Newcome. Features kommen von Sundown von Actual Proof, Sean Boog, Makeshift, Keno, Haz Solo, PCH und Abstract Ninjaa. Die sonnigen Sample-Beats von ENG, Goldenchild und Mixtapesammelstellen Favorite Freddie Joachim sind weitestgehend von einer entspannten Leichtigkeit, wie man sie wohl nur unter der Sonne Kaliforniens produzieren kann. So entstehen Songs die zwar melodisch, aber nie poppig, klassisch und doch sehr modern sind. Wirklich sehr starkes Tape, man wird sicher noch eine Menge von dem Jungen hören.

Chuuwee – Cold World

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Chuuwee – Global Warming

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Eine Artikel über eine weibliche MC zu schreiben und dabei nicht auf das schwere Standing von Frauen am Mic zu sprechen zu kommen ist nahezu unmöglich. Das wäre damit getan. Pflichtübung erfüllt. Rapsody ist 9th Wonder Protegé und hat jetzt über 9ths Label Jamla ein kostenloses Mixtape gedroppt, dabei kann sie auf dessen geballte Unterstützung zurückgreifen und kriegt neben sechs Beats vom Meister selbst, noch Instrumentals von Khrysis, Eric G und Amp als Unterlage. Statt deren Standardprogramms hat sich Rapsody ungewöhnlich reduzierte, wie sphärisch-flächige Downtempo Instrumentals ausgesucht und so ein homogenes Klangbild zusammengestellt. Angesichts der sehr langsamen Instrumentals schlägt sie an der Seite von Freeway und Kendrick Lamar, keine Saltos auf den Beats, sondern erzähl bedächtig, aber on-point von ihrem Leben und ihrer Sicht auf Welt und Hip Hop Geschäft. “For Everything” ist insgesamt eine sehr entspanntes, ruhiges Tape, über dem leider immer das Damokles-Schwert der Langeweile hängt und das das schwere Standing der Female-MCs nicht umkehren, aber immerhin einen kleinen Schritt zu seiner Verbesserung beitragen kann.

Rapsody – A Crush Groove (prod. 9th Wonder)

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Chill Moody? Hat das schon irgendwer mal gehört? Ich jedenfalls nicht und das trotz eines Tracks mit Fashawn und seines mittlerweilen dritten Releases, das prominent bei 2dopeboyz besprochen wurde. So oder so ist das ein Newcomer den man trotz des albernen Namens in Zukunft auf der Rechnung haben sollte. Seine Stimme hat, obwohl man ihr ihre Jungend noch deutlich anhört, eine Präsenz, die sich einem nach den ersten Takten erschließt. Zum Glück ist das nicht alles, sondern er ist außerdem mit einer starken Technik und einem variablen, melodischen Flow ausgestattet. Was will man mehr? – Gute Beats vielleicht? – Auch damit ist dank Produzent JoeLogic gedient. Die professionell ausproduzierten Neoboombap Nummern der J.Cole-Schule eröffenen zwar keine neuen Welten können sich aber allemal hören lassen. Was bei einer solchen musikalischen Ausrichtung nicht ausbleibt, ist eine unbefangene Offenheit zu Pop- und R&B-Elemente, was schon mal zu einer etwas nervigen Hook führen kann. Ein starkes Tape, von einem Newcomer der hörbar nach oben will. Ich mache den Weg gerne frei und habe das erste Tape – produziert von Dilemma (ohne Morlockk) – noch zusätzlich dran gehängt, auch wenn ich dieses stärker finde.

Chill Moody – Suicide Barz II

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Ich mache es kurz. Auch wenn sich das Tape schon in atemberaubender Geschwindigkeit verbreitet hat soll es hier nicht fehlen. Suff Daddy war mal wieder so freundlich eine kleine  EP zum kostenlosen Download zu veröffentlichen. Es handelt sich dabei um fünf Tracks von 2006, die thematisch um das schöne Thema Cannabis gruppiert und durch zahlreiche historischen Zitat- und Samplefetzen verbunden und großzügig mit solchen gespickt sind. Musikalisch ist relativ wenig von den sonst so präsenten Detroit-Synthie Einflüssen zuhören, stattdessen dominieren Jazz-Samples aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – ob nun Dixieland, Swing oder ähnliches vermag ich nicht zusagen – und eine recht klassisches Arrangement, wenn man dem völlig druffen “The Big Hit” inklusive Sido-Cut absieht. Ein Tape, dass man problemlos auch ohne das grüne Kraut genießen kann.

Suff Daddy – On&On&On

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Manchen Dingen steht – auch wenn es zynisch klingt – bröckelnder Putz besser als Glas-Fassaden. Queensbridge New York war zumindest musikalisch so ein Ort, dessen Bröckelnder-Putz-Ästhetik mir immer sehr sympathisch war und bei dem das Geld und die Renovierungen nur gesichtslose Massenware erzeugt haben. Die Lücken, die mit dem Abriss entstanden sind, klaffen bis heute in der musikalischen Landschaft. Das Duo The Opposition bestehend aus den beiden New Yorker Rapper Shaz Ill York & Spit Gemz versucht diese Lücke zu füllen und setzt statt auf Benz&Beamer-Gangstertum auf eisenharte Snares, reduzierte Samples, kurze Loops und einer staubtrockenen grimy Ästhetik wie sie nur aus New York kommen kann. Textlich muss man nicht viel neues erwarten: Concretelyrics und Battletracks, mit der ein oder anderen kritischen C.R.E.A.M. Bemerkung. Konsequent wird auch den Raps kein Blendwerk verpasst, statt dessen konzentrieren sich  Shaz Ill York & Spit Gemz  mit straighten, vielleicht etwas zu simpelen, Flows auf das Wesentliche – Features kommen von Action Bronson, Timeless Truth, Starvin B u.a.. Starkes Underground Mixtape, dass Erinnerungen an die Tage vor dem großen Geld weckt.

Shaz Ill York – Air Unlimited (DJ Unexpected Remix)

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