Haze, seines Zeichens Rapper aus Karlsruhe, blieb lange unterhalb meines Radars verborgen und tauchte nur hier und da mal auf, ohne jedoch jeweils einen bleibenden Eindruck bei mir zu hinterlassen. Da der Erfolg oder Nichterfolg eines Künstlers jedoch – und zum Glück – nicht von meinem Wohlgefallen abhängt, hat sich eine substanzielle Fan-Gruppe um den jungen Mann entwickelt, welche er regelmäßig mit kostenloser Musik versorgt. Seit Neuestem gibt es nun diese EP mit 7 Songs, auf welchen er Beobachtungen und Erlebnisse seines kleinkriminellen Umfelds zum Besten gibt. Das alles passiert auf knisternden Boombap-Beats und wird durch Cuts und Film- und/oder Serien-Mitschnitten atmosphärisch untermalt. Erstaunlich ist heutzutage ausserdem, dass er sich dabei keinerlei Feature-Gäste bedient (ausser, mir ist da was ganz gehörig entgangen). Auch so kümmert er sich um all seine Belange selbst. Ein Einzelgänger, könnte man denken. Und als dieser hat er mit dieser EP einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen und ich empfehle das Reinhören unbedingt.

Haze – Bunker (prod. Dasaeschbeats)

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Harte Ansagen, große Egos, dicke Beats – das gehört zum Rap, wie das leuchtende Apple-Zeichen in die Schaufenster Berliner Szene-Cafés. So abwegig mein Vergleich, so akzeptiert ist jedoch dieser Fakt. Steckt dahinter – nicht den Schaufenstern, sondern dem Rap – jedoch eine Dame, steigen manche Rap-Fans schon aus und fürchten um den Verfall ihrer Kultur – leider. Ist man allerdings kein ignorantes Arschloch und beurteilt nach Können und Qualität, kann man in Antifuchs eine weitere unterhaltsame Facette der hiesigen Rap-Szene entdecken. Auf modern gehaltenen Beats von Rooq – ja, der von Witten Untouchables – rappt die ehemalige Teilnehmerin einer dieser unzähligen Video-Rap-Contests sehr souverän und kunstvoll und zeigt nicht nur den Konkurrentinnen, was Sache ist. Dabei teilt sie sich nur auf einem der insgesamt 7 Titel das Rampenlicht mit ihrem männlichen Kollegen Ced AWSM. Insgesamt eine interessante und gut produzierte EP einer spannenden Künstlerin, deren Auftritt – neue Maske, gut produzierte Musik und Videos, kostenlose EP – allerdings ein wenig nach ausgefeiltem, taktischem Marketing-Schachzug aussieht. Aber hört und seht selbst…

Antifuchs – IWAIKNN (prod. by Rooq)

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Es begab sich, dass sich drei Beat-Bastler aus Gießen zusammenschlossen um gemeinsame Sache zu machen und es begab sich ausserdem, dass als Ergebnis ein kleines, aber feines Beattape entstand. Die drei, von denen die Rede ward, sind namentlich als Sless Praismo, Fli Vorkovic und Beaver bekannt. Auf ihrem Tape führen sie ihr Können in verschiedensten Disziplinen vor, wie es sich für eine Compilation wie diese gehört. Dabei verwenden sie soulige Instrumental-Samples über Boombap-Percussions, unter anderem Bill Cosbys Marijuana-Zitate (vom Album “Bill Cosby Talks To Kids About Drugs“…wtf?!), Cuts von Sless und Fli themselves und auch einmal 8-Bit-Sounds direkt aus der Zukunft. Der Abwechslungsreichtum und vor allem die Einfachheit dieses knapp über 30 Minuten andauerndem Samplers, lässt mich für die Beteiligten eine Lanze brechen, auch wenn ihre Namen und ihr Können bisher noch nicht in meinen Freistaat hervorgedrungen waren.

V.A. – Beatsupply #1

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Der gute Pawcut ist kein Neuling auf der Sammelstelle, denn sein Beattape The Stuff that Dreams are made of aus dem Jahre 2012 gab es damals schon einmal hier. Zurecht. Seitdem ist natürlich viel Zeit vergangen, welche der Produzent aus Minden natürlich gut genutzt hat. Unter anderem hat er mit Katharsis ein Tape und eine LP rausgebracht oder mit FloFilz ein Beattape. In diesem Fall ist er für Radio Juicy unterwegs und erfreut uns erneut mit seinen warm-souligen Beats, welche in einem gemütlichen Tempo daher kommen. Die Melodie wird dabei zumeist durch Klavier-, Trompeten- und Saxophon-Samples getragen, die Drums sind weich, die Baselines tief und Sprachschnipsel zurren das Ganze zum bekannten Boom Bap-Paket zusammen. Das bekannte und geliebte Knacken und Knistern der Schallplatten ist ständig zu hören und zeugt von der Liebe zum Diggen. Auf der EP gibt es neben den Instrumentals übrigens auch zwei Remixes von Edo G und Massive Attack. Ein paar Cuts kommen von DJ Access – Dresden…YÜAR! – und dem Lübecker Kallsen, also was soll da noch schief gehen? Name your price, so please be nice.

Pawcut – Abstract Truth (Cuts Kallsen)

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Endlich mal wieder ein Artikel von mir und alle so: “Yeah!” Und ich komm jetzt nicht mit irgend etwas, sondern mit diesem YEAH-mäßigem Konzept-Beattape von enzo eyeris, welches sein 10jähriges Jubiläum in diesem Felde eindrucksvoll untermalt. Sein Boom Bap-Stil zeichnet sich durch funky-soulige Samples diverser Instrumente, verschiedenste Vocals – meistens im Yeah-Thema gehalten – und dumpfen Drums mit Hi-Hat- und Clap-Tupfern aus. Soweit also keine Revolution, aber die Shout-Outs unter anderem aus Taiwan, Serbien-Montenegro, Spanien, Israel, Russland und Dänemark zeigen, dass die Beats nicht nur gut ankommen, sondern, dass der Boy auch noch am Husteln ist. In Deutschland hat er unter anderem schon für Cr7z und dessen Song Yuki den Beat beigesteuert. Gebt euch auch seine anderen Tapes und kontaktiert ihn, wenn ihr drüber rappen wollt. So steht’s jedenfalls auf seiner Bandcamp-Seite. Yeah!

enzo eyeris – Eh Yeah! Intro

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Für den einen ist es ein zweiter Frühling nach Company Flow und 20 Jahren im Musikgeschäft – wobei Geschäft in diesem Kontext etwas schlecht passt – und für den anderen geht es über 10 Jahre nach dem vielversprechenden Start an der Seite von Outkast jetzt erst so richtig los. Die Rede ist von Def Jux Chef und Produzent EL-P und ATL-Rapper Killer Mike, die sich erst Ende 2011 kennenlernten und seit 2012 jedes Jahr ein Album raushauen. Jetzt ist nach Killer Mikes Soloalbum “R.A.P. Music” der zweite Teil von “Run The Jewls” erschienen. Darauf zerlegen die beiden so brachial, dass sich East- wie Westcoast nur verstört umschauen können, Track für Track. Killer Mike rappt präzise und on-point selbst bei komplexen Tempowechseln, auch EL-P macht eine zumindest ordentliche Figur am Mic. Dazu lässt EL-P Bässe wabern und lässt  ohne zu starke Orientierung an aktueller Mainstream-Trap-Ästhetik die Synthesizer durchdrehen. Dabei gelingt ihm trotz teilweise vieler Layers stets die Reduktions auf ein grundlegendes, fast minimalistisches Soundgerüst. Wem es bei dieser Qualität doch etwas peinlich ist, das Ding umsonst zu beziehen, der kann es in einem von zahllosen Paketen entstehen vom 10$ Digipack, das 65$ Vinylpack über das 35.000$ Wohnzimmer-Konzert bis zum 10.000.000$ Rentenpacket.

Run The Jewels – Oh My Darling Don’t Cry

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2009 war mein goldenes Hip Hop-Jahr. Die Alben von Fashawn, Diamond District, Kamp & Whizz Vienna auch von Huss & Hodn und Hiob & Morlockk Dilemma drehen noch heute häufig bei mir ihre Runden. Neben diesen zu meinen persönlichen Klassikern gereiften Alben spülte das Jahr 2009 aber noch eine Vielzahl kleinerer Perlen an die Oberfläche, zum Beispiel das tolle Mixtape von Charlie Ross, dessen Guru-A-Like-Stimme mir noch heute im Ohr ist. Während Fashawn und Diamond District dieses Jahr nachlegen, hat Charlie Ross anscheinend bereits letztes Jahr nahezu ohne Aufmerksamkeit ein Tape zum NYP-Download veröffentlicht. Soular Heights, das sind anscheinend Charlie Ross, Dave Scars und Alphabet.Vielmehr ist darüber nicht zu erfahren und nicht einmal dabei bin ich mir sicher – zumindest hört man mehrere MCs. Der Sound schafft augenblicklich Wohlfühlatmosphäre wie ein Wohnzimmer: Warmer, immer etwas opulenter DMV-Boombap mit weiche Bassdrum und teilweise mehr Obertönen als Snare – vielleicht vergleichbar mit Apollo Browns Instrumentals. Dazu gibt es Gimmickfreie Raps mit Oldschool-Attitüde: “It’s a old formula but something new”. Einziger Wermutstrompfen ist das schlechte Mastering, denn das Tape knarzt und kratzt teilweise unangenehm. Fünf Jahre nach 2009 gibt sich Hip Hop Mühe mir wieder zu gefallen.

Soular Heights – More Power



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Mittlerweile bin ich der Art vorurteilbeladen gegenüber jedem Rap, der nicht sofort meinen Stereotypen entspricht, dass mich bereits die Namen der neuen Generation schon abschrecken. Um mir mal wieder etwas auf die Sprünge zu helfen kommt das Tape von Ricky Dubs gerade richtig. Denn neben vielversprechenden Newcomern wie  Mick Jenkins and YC The Cynic und Acts deren Namen ich nicht mal aussprechen kann wie Kami De Chukwu, wird der Ignorant in mir mit mir bekannten Qualitätsversprechen von Roc Marciano und Ill Bill über Meffew Raggazino bis Add-2 angesprochen. Um dann alle Zweifel zu zerstreuen, dass ich es hier mit einem starken Produzenten Debüt zu tun habe, wird man auf dem ersten Track gleich von einem reduzierten 30er-Swing-Sample in den Bann gezogen. Auch auf den folgenden Tracks gelingt es dem Produzenten aus Chicago über weite Strecken mit wenigen Mitteln eingängige Boombap-Beats zu entwickeln, die den MCs immer genug Raum lassen sich zu entfalten. Die Rappern nehmen diese Gelegenheit dankend und ohne größeren Ausfall auf. Kein Tape, das Ignoranz rechtfertigen würde und kurz genug, dass es nicht langweilig wird.

Ricky Dubs - Keep It 100 feat. Mick Jenkins & YC The Cynic

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Vor einigen Tagen hing ich bei einem Kollegen auf der Couch – wie früher, wir spielten Fifa – wie früher und hörten Lance Carvell – wie früher, jetzt habe ich den Download bei allgood gefunden. Als wir die ersten Male gemeinsam vor Fifa hingen, war LaCa der vermutlich vielversprechendste Underground-Rapper Deutschlands. Dann hat er leider zu viel Justice und Elektro gepumpt und wir haben zum Zocken lieber “Jetzt schämst du dich” laufen lassen. Jetzt ist er zurück mit einem Tape, dem obwohl die Haare dünn geworden sind, nichts von seiner Freshness abhanden gekommen ist. Weiterhin kickt LaCa seine ignoranten Styles und rappt wie er redet und trotzdem hört man dem Tape die Reife an. Vielleicht liegt es wenigstens einen Hauch nachdenklicheren Beziehungslyrics, die sachte an die erschreckende Ehrlichkeits Kamps erinnern. Vielleicht liegt es auch an dem neuen Soundgerüst, denn statt Synthesizern und Jahrtausendwende-Berlin-Sound gibt es jetzt vornehmlich downtempo Samplebeats. Woran auch immer es liegt: LaCa gelingt mit seinem Tape aus dem Nichts das bis dato freshste Comeback des Jahres.

LaCa – Bitchalarm an

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Heute gibt es eine große Ausnahme, allerdings auch aus gutem Grunde. Lasst mich erklären: normalerweise schreiben wir keine Artikel über klassische DJ-Mixtapes, welche aus diversen Songs anderer Künstler zusammengestellt sind, da es da schnell zu Copyright-Problemen kommen kann – wie damals. Wenn allerdings der allseits bekannte Journalist und HipHop-Connaisseur Falk Schacht aka. Hawkeye uns wie ganz selbstverständlich bei unserem Aufruf hilft und mir kurz darauf eine Nachricht schickt, ob dieser, sein eigener Mix nicht etwas für uns wäre, dann kann ich einfach nicht ablehnen. Und mit diesem Beat-Gewitter aus insgesamt 28 verschiedenen Tracks, bietet uns der Herr auch eine feine Instrumental-Auswahl für die sommerliche Fahrt im offenen Jeep an. Daher auch der Name, denn das war wohl mal so üblich, wie wir das vom HipHop-Lehrmeister auch direkt gelernt haben. Eine feste Genre-Eingrenzung mag mir nicht gelingen und bei dem ein oder anderen Track ist der verehrte Leser vielleicht versucht ein “Das hat doch mit HipHop nichts zu tun!” ausrufen zu wollen. Egal aber, denn die Auswahl ist grandios, abwechslungs- und facettenreich und auf höchstem Niveau. Die Instrumentals kommen von teils bekannten, teils unbekannten Produzenten wie Hazeem, Ta-Ku, Benedek oder Apfel und vielen mehr. Und dazu gibt es sogar noch die Auswahl zwischen dem Stream oder einem Download dieses Mixes. Also zuschlagen!

Falk Schacht – Jeep Beats – Music Is Instrumental Vol.1

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