Letztes Update: 17:22

Kaum zwölf Uhr Mittags, die Post ist gerade ausgetragen und es geht ein Aufschrei durch die deutsche Blogosphere. Aber der Reihe nach. Im Zuge des diesjährigen Splash! Festivals wurde wie jedes Jahr ein Mixtape von DJ Ron und DJ Shusta veröffentlicht. Darauf unter anderem Tracks von Atmosphere (Wild Wild Horses), Curse (Der Lange Weg Zur…), Eminem (If I Had, Just Don’t give a Fuck), Method Man & Redman (Ayo) und Q-Tip (Gettin’ Up).

Wegen dieser Tracks, deren “auschließlichen Vervielfältigungs- und Verbreitungsreche” bei Warner Music, Sony Music Entertainment und Universal Music liegen, wurde heute mehrere Blogger und DJs von der Kanzlei Rasch abgemahnt.

courtmasta

sammelstelle

djron

jdsrapblog

Ob noch weitere Blogger Kollegen betroffen sind, ist bisher unklar, die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch, würde ich sagen.

Hier einige Auszüge aus dem Brief den ich erhalten habe.

songs

kostennote

Interssant ist, dass andere Blogger wie JD’s Rapblog und Meinrap.de wohl nur eine Abmahnung bzgl. des Curse Songs bekommen haben und nur eine Geschäftsgebühr von 100€ zahlen müssen. Ich frage mich, wie diese unterschiedlichen Beträge zustande kommen und warum das eine Mixtape beim einen “illegaler” als bei anderen sein soll.

Sollte es sich bei der Abmahnung um eine Massenabmahnung handeln, was ich als juristisch unkundiger für nicht so unwahrscheinlich halte, angesichts der Mengen an Briefen die raus gegangen sind, handelt es sich bei der Abmahnwelle. Bei der Kanzlei Rasch könnte es sich um einen “Serienabmahner” handeln. Ein Informationsportal über diese Kanzlei www.rasch-vs-djs.de hält die Abmahnungen der Kanzlei ebenfalls für höchst bedenklich:

Dass Clemens Rasch ein Serienabmahner ist, hat er in einem Artikel im Spiegel selbst bestätigt. Es existieren mehrere Urteile gegen Serienabmahner, welche klarstellen, dass a) kein Anspruch auf die Kostennote besteht, wenn die klagende Partei, die Sache auch ohne Anwalt hätte regeln können und b) wenn das Verschicken von Abmahnungen in Verbindung mit überhöhten Kostennoten alleine der wirtschaftlichen Gewinnerzielung dient. Und das ist beim Herrn Rasch mehr als gegeben, schließlich finanziert er durch seine Abmahnungen seine eigene Firma proMedia, welche ihm widerum weitere Abmahnungen ermöglichen.

Ich habe das Gefühl, das die Musikindustrie immer noch Nichts verstanden hat, wenn Sie solche dubiosen Kanzleien für sich arbeiten lässt. Per Mail erhalte ich dazu folgende Information:

Rasch haben von allen Major Labels bzw. von der IFPI einen Freibrief zum Handeln, und die wissen von solchen Aktionen einfach nichts – die sehen ein urheberrechtlich geschütztes Werk, ergo ist die Sachlage für die klar. Umgekehrt wissen die Labels aber höchstwahrscheinlich auch von eurer Abmahnung nichts.

Das wir nicht die einzigen sind, die auf der Liste von Rasch stehen, scheint auch klar, neben Bloggern werden auch die für die Künstler und die Musikverbreitung eigentlich unverzichtbaren DJs von Rasch angeschrieben, neben DJ Ron, so z.B. DJ Kitsune:

kitsune

Wir Blogger sind eine einzige Werbemaschine für Musik und uns dafür zu bestrafen widerspricht jeglicher Logik. Uns geht es nicht um illegale Vervielfältigung sondern um Promo für gute Musik und durch solche Abmahnungen werden diese Bemühungen zu nichte gemacht. Eine Konsequenz könnte sein, keine Acts von Sony, Universal und Warner zu promoten und schlicht nicht mehr über sie zu berichten.  Ich für meinen Teil werde so schnell wohl auch keine Sony, Universal, Warner CD mehr kaufen, wenn das der Dank ist, den ich für meine Arbeit zu erwarten habe.

Das die Abmahnungen nicht im Sinne der Künstler sind zeigt die Reaktion von Curse auf die Vorwürfe in Twitter:

curse1

curse2

Interessant ist außerdem, dass Curse eigenes Label das Mixtape, für welches die Abmahnungen wegen seiner Tracks rausgingen, selbst promotet hat, auch wenn es nun von der Website verschwunden ist. Ebenfalls nicht uninteressant wird sein, ob MTV für seine Promo für das Mixtape, ebenfalls von Rasch abgemahnt wurde, oder ob nur die vermeintlich kleinen Blogger dran glauben mussten, weil man sich mit MTV nicht anlegen möchte.

Die Ungerechtigkeit dieser Welle stinkt zum Himmel und so haben schon zahlreiche andere Kollegen über die Fälle berichtet, danke an die blog.rebellen, Blogparty Kollegen Rapresent, DJ MG, Rap News Network, Mixeryrawdeluxe und das Wildstylemag für ihren sehr guten Bericht.

Sollte kein Weg an der Zahlung der 800€ vorbei führen, wird die Sammelstelle wohl geschlossen werden, eines solchen Dauerhaften Risikos kann ich mich nicht aussetzen, so sehr ich dieses Projekt liebe, aber wenn mehere 800€ Rechnungen kommen, bin ich als Student runiert. Ich verzichte mit Bedacht auf Werbung und kommerzielle Angebote auf meinem Blog, da es mir nicht darum geht mich mit diesem Blog zu bereichern, aber wenn er mich ruiniert, kann ich das nicht weiter machen.

Update: Der Abmahnwahn geht weiter, der sehr geschätze Kollege von GermanRhymes.de hat heute ein weitere Abmahnung von Rasch im Briefkasten gehabt, in diesem Brief geht es um das A Prelude to Blueprint 3 Mixtape, auf dem einige Tracks bei Rasch den Anstoß gegeben haben sollen, es geht wohl u.a. um einen Song von T.I. und  um eine Kostennote von 666€. Genaueres weis ich noch nicht, die Tweeds will ich jedoch niemanden vorenthalten.

germanrhymes

germanrhymes2

Update 2: Wie kurz nach dem Tweeds von GermanRhymes bekannt wurde, wurde auch Blogparty Mitglied CooldownBerlin abgemahnt, dieses mal wegen einem offiziellen thisis50.com Mixtape “Kanye West – R&B Yeezy” auf dem diverse Kanye West R&B Guestverses gefeatured werden. Von CoolDownBerlin wird ebenfalls das Begleichen einer Kostennote von 778€ verlangt. Die zugehörigen Tweeds findet ihr unten. Außerdem wurden weitere Artikel über den Abmahnwahn veröffentlicht, eine vollständige Liste findet ihr bei dem ebenfalls abgemahnten Courtmasta auf Blogssports. Hier erwähnt sei neben den unzähligen Bloggern die sich dem Fall angenommen haben, die umfangreicheren Artikel auf Laute.de und rap.de.

cooldown1

cooldown2

Im Blog werden derweil alle Mixtapes von Major Artist gelöscht, die sich als problematisch erwiesen haben.