Gestern unterhielt ich mich lange mit einem befreundeten Rock-Musik-Bassisten über die künstlerische Qualität von Sample-Technik und Hip Hop Instrumentals – heute hört er Flying Lotus. Und ich finde ein neues altes fLako Mixtape – mit zahlreichen Tracks die im Jahre 2008 so übrig geblieben sind. Ungefragt setzt er damit – ohne das einer meiner Leser daran zweifeln dürfte – ein Ausrufezeichen hinter meine Diskussion des Vortags. Denn auch wenn Samples eher zu den selten genutzten Elementen seines Sounds gehören, lässt er doch keinen Zweifel am künstlerischen Wert von dem was man mit Hip Hop so anstellen kann. Weshalb fLako in meiner Playlist vor vielen der anderen Vorausgeher Produzenten – speziell aus Amerika – angesiedelt ist, liegt an seiner Fähigkeit statt mit verkopften Eklektizismus jede gute Idee in einem Song auszuliefern, die Instrumentals trotz aller Layers auf einen straighten Hip Hop Kern zu reduzieren, der ordentlich nach vorne rollt. Ich kann nur eindringlich dazu raten, sich diese Tracksammlung zu Gemüte zu führen: Große Kunst – nur vielleicht nicht ganz so groß, wie das 2009er TapeFirst Spaceshit On The Moon“.

 fLako – Finger On The Pony

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Denkt mal kurz an den Wu-Tang Clan Anfang der 90er Jahre, transferiert diese Vorstellung aber nun nach Leeds im Vereinigten Königreich des Jahres 2012 und ihr bekommt die Defenders of Style. Jedenfalls ungefähr. Die hier vorgestellten Jungs sind nunmal weiss und haben einen unüberhörbaren britischen Dialekt und Slang, ansonsten erinnert ihre Musik nicht unerheblich an die “gute alte” Zeit: schmutzige Boombap-Beats voller Samples und Filmzitaten, fette Raps und sogar der DJ bekommt seine 5 Sekunden Ruhm. Wenn man die Texte versteht – was nicht so einfach ist, obwohl es ja eigentlich Englisch sein soll – gibt es zwar keine thematischen Überraschungen, aber sie enttäuschen technisch absolut nicht. Das Gesamtpaket überzeugt also. Da haben Produzent Jack danz, DJ sirplus und die Sprechgesangskollegen Joe Snow, Prys und Disgust ganze Arbeit geleistet. Als Gäste begrüßen sie ausserdem so zahlreiche, wie mir unbekannte Leute namens Lego, Matter, Jack Flash und noch ein paar mehr. Obwohl schon im Januar 2012 erschienen, ist das Tape eine Empfehlung meinerseits wert.

Defenders of Style – Fish in a Barrel

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Meka von 2dbz schreibt: “Dude reminds me of an East Coast version of Blu.” – Ein solcher Satz macht neugierig, noch dazu, wo Blu selbst ANTHM bei einem seiner Konzerte als Special Guest auf die Bühne zerrte. ANTHEM verfolgt – um das Spiel der Referenzen munter weiter zu spielen – ein ähnliches Konzept wie Lute auf seinem starken Mixtape:  90s Beats zwischen trockenem NY-Boombap von Mobb Deep oder The Lox Klassikern und warmen, samtweichen Soultunes wie The Roots & Raphael SaadiqsWhat They Do“.  Nicht nur an der Beat Auswahl, sondern auch an den zahllosen Referenzen in den Texten merkt man, dass hier einer seine Dues gepaid hat. Doch der MC aus Manhattan bleibt nicht in den zu großen Klassikern stecken, sondern haucht jedem einzelnen neues Leben ein, mit melodischem unverwechselbaren Flow und trotzdem an jeden Beat, jede Stimmung angepasst, ob Slick Talk für den sich Ghostface nicht schämen müsste oder roughe Representer. Ich kann wirklich verstehen, was Blu an dem Jungen findet. Sehr dopes Tape – schon wieder.

ANTHEM – Move Me

ANTHEM – Play on, Playa

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Was willst du mir erzähl’n von Rap / Deine ganzen Popsongs sind eh zu wack!” Die – zugegeben eher unspektakuläre Line – bringt die Grundhaltung dieses Tapes auf den Punkt. Anti-Pop-Rap. So roh und dreckig wie man Musik nur vor dem ersten Plattenvertrag machen kann. So drastisch wurde seit Westberlin Maskulin Aggressivität nicht mehrt in deutschen Rap gegossen wie in den Lyrics von Onset Rush von den Argonautiks. Einerseits wütende Battleraps bei denen der “Parental Advisory” Sticker auf dem Cover als ernstzunehmende Warnung zu verstehen ist, die mit scharfen Lines gegen all das wettern, was das Geld im Hip Hop verändert. Und andererseits plastische Schilderungen vom Leben im Kiez in Teltow am Rande Berlins / Potsams. Atmosphärisch eingefangen werden die Lyrics von harten, grimy (US-)90s-Boombap-Beats ohne jeden Schnickschnack. Auch wenn es wirklich nicht schlecht gerappt ist, lebt das Tape klar von der fuck off-Attitüde von Onset Rush, so dass ich gerne auch über technische Mängel wie das etwas dumpfe Abmischen hinwegsehe. Rough, Ruggerd & Raw Rap vom Feinsten.

Onset Rush – Plastik 

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Hip Hop hat eine extreme Fluktuation an kommenden Hoffnungsträgern die ihn wahlweise Retten, Erneuern, Am Leben halten, Revolutionieren oder einfach alles besser, schöner, neuer machen sollen. Entsprechend gibt es jedes Jahr eine ganze Garde sehr junger Rap-Hoffenungsträger. Während mir – bis auf Danny Brown vielleicht – der aktuelle Freshmen Jahrgang – der uns heute mit seinem Mixtape beglückte – das Abendessen die Speiseröhre hochtreibt, hatte dieses Jahr mit Joey Bada$$ auch schon eine positive Überraschung auf LagerRobert Akins III ist mit seinem Mixtape ”Exeunt” gerade dabei sich dort einzureihen. Robert Akins III scheint geradezu überzulaufen vor Inspiration und Talent: Raps & Beats alles selbst gemacht. Dabei wechselt er Flow und Tempo, von Doubletimes in kurze – unpeinliche – Gesangseinlagen und zurück und erzählt dabei Geschichten von erstaunlicher Reife für einen so jungen Künstler. Dazu kommen Beats die sich aller Retorten-Ästhetik entziehen. In meist recht flottem Tempo kombinieren sie organische und elektronische Elemente, Vocal-Samples und Synthie-Bassline. Dabei werden Schnipsel aktueller Popmusik genau so verwendet wie Rockmusik oder traditionelle schwarze Musik. Stellenweise treiben ihn seine Ambitionen in fast kakophonischen Elektizismus aber meist gelingt es ganz gut den völlig genrefremden Elementen einen eigenständigen Hip Hop Sound abzugewinnen. Spannendes Tape, ich bin gespannt, was da noch kommt.

Robert Akins III – Go There

Robert Akins III – Cut Throat Love 

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So richtig verstehe ich es nicht. Kev Brown produziert sei Jahren nichts als “Random Jointshier z.B. oder hier, der ein oder andere “Random Joint” ist auch hier drauf. Jetzt bringt er ein Album namens – tadaaa – “Random Joints” raus (hier), auf dem all die ganzen Tracks noch einmal versammelt sind, unter anderem auch der hier. Um diese Sammlung längst mehrfach veröffentlichter Tracks zu promoten hatte er eine gute Idee: Er veröffentlicht eine Auswahl der Tracks als Promo EP im Vorfeld umsonst. Starke Idee. Darum gibt es jetzt erneut ein paar “Random Joints” mehr. Nicht, dass das nicht wirklich starke Stücke Musik wären: So entspannte Hi-Hats auf Piano-Geklimper, so nahtlos miteinander verschmolzene Drums und Basslines schafft sonst keiner, auch Kevs unprätentiose, fast schon nebenbei gerappte Raps haben einen ganz eigenen Flavour und ja auch die Features von yU (von Diamond District) und anderen DMV-Kollegen können sich hören lassen. Aber wie wäre es denn mal mit der Idee neue Lieder zu produzieren und neue Musik zu veröffentlichen? Für alle die noch keine der zahllosen “Random Joints” haben, ist das wohl tatsächlich eine gute Möglichkeit und das “Heaven” Instrumental hatte ich auch noch nicht.

Als Preview dieses zwei Jahre alte Video:

Kev Brown – Another Random Joint 

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Was braucht man für eine gelungene Rap-Platte? Erstens: Einen ordentlichen MC, der rappen kann und dessen Lyrics man gerne zuhört – Check: LUX kann rappen, an manchen Stellen sogar richtig gut – nur das Silben auseinanderziehen in schlechtester US-Rap Tradition zerrt in wenigen Tracks an meinen Nerven. Dafür höre ich ihm gerne zu. Denn auch wenn es inhaltlich nicht viel neues zu hören gibt, werden die Slacker-Storys, Representer und das restliche Hip Hop-Repertoire mit einer Prise Gesellschaftskritik originell erzählt. Als Bonus in dieser Kategorie hat LUX sogar noch zwei weitere Rapper dabei, die rappen können: Times und den hochgeschätzten Edgar Wasser.  Zweitens braucht es für eine gelungene Rap-Platte: Gute Beats – Die kommen auf “Momentaufnahme” vollständig von Cap Kendricks, der höchst soliden und häufig mindestens genauso souligen Boombap mit reichlich Vocal-Samples und weichen Drums serviert. Auch in dieser Kategorie gibt es mit einem Boombox Track von Phil Harmony ein guten Bonus.  Drittens – und dieses Element wird heute leider häufig vernachlässigt – sollte eine gute Rap-Platte mit einem guten DJ aufwarten – Glücklicherweise versorgt DJ Mic-E dieses Tape mit ausreichend Cuts & Scratches.  Außerdem ist weniger mehr und es schadet nicht lieber auf wenige gute Tracks – in diesem Fall 10 inkl. Intro & Interlude – statt auf zahllose Lückenfüllertracks zu setzen. Das Erfolgsrezept für eine Rap-Platte ist also nicht besonders kompliziert und wenn man es so gut umsetzt wie LUX auf “Momentaufnahme” geht es auf wie Hefeteig. Dope.

LUX – Krass feat. Edgar Wasser 

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Die Beattapes haben extrem nachgelassen in diesem Blog. Nicht weil die durchschnittliche Qualität ebenso deutlich gesunken wäre, ganz im Gegenteil, eine begründete Selektion der hochwertigen Tapes ist nur noch selten möglich, weil sich die hohe Qualität nichts nimmt. Das dieses Tape – obwohl es schon fast einen ganzen Monat alt ist – von Thavius Beck dennoch seinen Weg hier in den Blog gefunden hat, liegt daran, dass mich gleich der erste Track aus meinem Stuhl gepustet hat: Es beginnt mit einem beschwingten Jazz Sample, bekommt Unterstützung von einem E-Piano und wird dann von einem angeglichten Synthesizer in ganz neue Höhen geführt. Genau diese Mischung aus dezenten (jazzigen) Samples und massiven, sphärisch bis knarzenden Synthie-Einsatz prägt auch die weitere Ästhetik des Tapes, während die Drums gerne von zahlreichen Layern, auf denen die Melodie spielt, in den Hintergrund gedrängt werden. Dabei geht es gerne so monumental zu, wie der Titel “Symphony of Spheres” nahelegt und findet seinen Höhepunkt wohl im bombastischen Chor-Vocal-Knarz-Synthie-Gemisch “See Him Fighting, Dancing, Prancing“. Wie für fast alles aus dem Hause Plug Research, die diese Compilation an bisher unveröffentlichten Tracks veröffentlicht haben, sollte man keinen allzu dogmatischen Hip Hop Begriff haben, wenn man sich den Instrumentals von Thavius Beck nährt. Für wen das kein Ausschlusskriterium ist, der wird mit einem wirklich starken Beattape belohnt.

Thavius BeckSee Him Fighting, Dancing, Prancing

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Als das Mixtape von Spit Gemz & Shaz IllYork aka The Opposition rauskam, hatte ich noch nie von den beiden gehört. Auf den 2012er Solo-Wurf von Shaz Ill York freue ich dagegen schon, seit ich die erste Ankündigung gelesen habe. The Opposition stand für kompromisslosen New York Rap, Musik für die, die es echt und wahr halten und das ohne Fremdscham. “Before It All Happend” knüpft genau dort an: Gritty Boombap Beats mal reduziert mit peitschenden Snares, mal pathetisch mit Streichern und Chören. Jeder Track maßgeschneidert von den mir unbekannten Produzenten Hook & Eye, DJ Brans, Tommy Mas, Ligalize, JL Adio, DJ Guttertash, George Black, DJ Cause, Golden Child, Derek Day, Shotalter, One Take und JLove entsteht trotz der vielen Beteiligten ein homogenes Gewand für die Hardcore-Raps von Shaz IllYork und seinen Gästen Spit Gemz – natürlich -, Tash von Tha Alkaholiks, Starvin B, Carmen Indhira, Nelism, Aye Wun und Nums. Thematisch muss man nicht viel neues erwarten – reichlich Struggle, ein Lob auf die Sneakers und New York und die obligatorischen Battletracks -, aber Shaz ist ein einnehmender Rapper der gekonnt mit straightem Flow seine Delivery glaubwürdig an den Mann bringt. Ein wirklich sehr, sehr starkes Tape für alle Fans klassischen New York Raps und für die, die nicht genug kriegen können, gibt es das Tape mit Bonustracks – u.a. mit Sadat X - als physische CD käuflich zu erwerben.

Shaz IllYork – All The Time feat. Spit Gemz (Prod By DJ Brans) 

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Shaz IllYork – Fly Creature Ft. Spit Gemz, Starvin B & Carmen Indhira (Prod By Golden Child)

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Da hat form ganz schön was los getreten mit seiner 37 Track EP. Das immerhin 8 Track Tape von Smoke DZA lief schon als EP und der Rapper und Produzent Scanz haut sein 13 Track starkes, 45 Minuten langes und 112 MB großes Release “Wake Up Call” auch als EP raus. Scanz macht Hip Hop der sich normaler Schubladen-Zuschreibung entzieht und dennoch eine genuine Hip Hop Ästhetik entwickelt. Sphärische Instrumentals mit weiten Flächen und Lo-Fi Synthesizern, Hall- bis Vocoder-effektierte Vocal Samples und trotzdem rumpeln die Drums manchmal wie in den 90ern. Wenn Scanz die selbst oder mit Unterstützung von Jalal Salaam produzierten Beats nicht für sich selbst stehen lässt, entpuppt er sich als mindestens genauso fähiger Rapper wie Produzent.  Als MC lässt er sich aber genauso wenig in Schubladen packen und rappt zwar meistens straight nach vorn, schreckt aber auch vor Stimmenverzerreffekten und halbgesungenen Passagen nicht zurück. Unterstützung am Mic bekommt er von Twizz,  MosEl und Celina Carrera. Ein Tape, dessen eigenwillige Ästhetik mich in seinen Bann zieht, ohne, dass ich schon sagen könnte, ob es mir nachhaltig gefällt.

Scanz – Art of War

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